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Geschichte 25. November 2017

»Rudi wollte der Rechten etwas von links entgegenstellen«

Von Lars Langenau  Foto: Claudia Klein

Gretchen Dutschke war die große Liebe von Rudi Dutschke, der Galionsfigur der 68er. In einem sehr persönlichen Gespräch zieht sie Bilanz über ihr Leben, Pegida, die Grünen und die sexuelle Revolution.


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75 ist sie inzwischen. Die große Liebe des berühmten 68ers Rudi Dutschke. Mehr als 15 Jahre war die gebürtige Amerikanerin mit dem Studentenführer zusammen, der sich eigentlich der Revolution verschrieben hatte und vor 38 Jahren an den Spätfolgen des Attentats eines Rechtsextremisten verstarb.

Nach einer Odyssee in Dänemark und den USA lebt Gretchen Dutschke seit ein paar Jahren wieder in Berlin, in einem alternativen Wohnprojekt in Friedrichshain. Auf einem Hocker in ihrer kleinen Wohnung ist das stilisierte Konterfei ihres Mannes abgebildet, der sie zunächst »Carol« nannte, weil er »Gritschin« zu kompliziert fand, und dann, als sie protestierte, liebevoll ­»Kobold«. Klein und sehr lebendig ist sie tatsächlich, ihr Deutsch stark amerikanisch eingefärbt. Die gebürtige Amerikanerin lernte die Gallionsfigur des SDS und der APO im Sommer 1964 in einem Café in Berlin kennen, 1966 heirateten sie und bekamen drei Kinder: Hosea-Che, Polly-Nicole und Rudi-Marek, der seinen Vater nie kennenlernte.

Im Gespräch mit dem SZ-Magazin erklärt sie, warum sie auf 68 stolz ist, einige der alten Mitstreiter  inzwischen nach rechts gerückt sind und den Namen ihres Mannes missbrauchen – und warum Pegida keinesfalls für sich beanspruchen kann, das Erbe der Außerparlamentarischen Opposition zu vertreten. Sie spricht über Rudis Rolle bei der Gründung der Grünen und was sie heute von der Partei hält (»die sind mir zu sehr in Richtung FDP unterwegs«). Sie erklärt, warum sie den US-Vizepräsident Mike Pence für noch gefährlicher hält als Donald Trump – und was sie für die wichtigste Aufgabe der heutigen Generation hält.

Neben politischen Aspekten spricht Gretchen Dutschke in dem Interview offen darüber, wie sehr sie der Tod ihres Mannes aus der Bahn geworfen hatte und warum sie danach mit keinem anderen Mann mehr länger zusammen war. Sie redet über das Machotum der linken Aktivisten, verfolgt aufmerksam die heutige Debatte um #metoo und redet darüber wie das in den späten Sechzigern mit der Kommune 1 eigentlich war. Im Gespräch äußert sie sich zudem erstmals öffentlich dazu, dass sie und Rudi es auch mit der freien Liebe versucht hätten – und scheiterten.

Lesen Sie das Gespräch jetzt mit SZ Plus:

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