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Nackte Zahlen: Sexkolumne 20. November 2017

Die Sechs-Worte-Liebesformel

Von Alena Schröder  Illustration: Eugenia Loli

Es gibt eine Wortkombination, die garantiert amouröse Gefühle entfachen soll. Trotzdem: Lesen Sie bitte auf keinen Fall den folgenden Text!

Die richtigen Worte ins Ohr flüstern – und schon wird dem Anderen ganz anders zumute.
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Tja, das hat ja wunderbar funktioniert. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben gerade erlebt, wie eine paradoxe Intervention funktioniert. So nennt man eine bekannte psychologische Methode, in der man genau das einfordert, was man eigentlich nicht will, um dazu zu animieren, das Gegenteil davon zu tun. In diesem Fall wurden Sie aufgefordert, diesen Text auf keinen Fall zu lesen – und jetzt sind Sie da.

Aber zurück zu den sechs magischen Worten, die Ihnen die Tür in jedes Herz öffnen sollen; bei denen handelt es sich nämlich auch um eine paradoxe Intervention. Die amerikanische Bloggerin und Beziehungsberaterin Anna Jorgensen schreibt im Onlinemagazin Elephant-Journal, mit dem Satz »Bitte verlieb Dich nicht in mich!« habe sie bislang noch jeden Mann dazu gebracht, sich garantiert in sie zu verlieben.

Ein recht simpler Trick, der auf zwei Dinge abzielt: Sich selbst als in Gefühlsdingen hochkomplexes Mysterium zu inszenieren, als Mensch mit einer tief verborgenen Verletzung, die es zu ergründen und zu heilen gilt. Und zweitens, eine Unerreichbarkeit zu suggerieren, die im Gegenüber den Jagdinstinkt und den Ehrgeiz weckt.

Der Mensch neigt nun mal dazu, sich nur ungern etwas vorschreiben zu lassen, deshalb ist ein roter Knopf, über dem »BITTE AUF KEINEN FALL DRÜCKEN!« steht, ungleich verführerischer als jeder normale Lichtschalter.

Besonders gut funktioniert die paradoxe Intervention bei Kindern, die ein angeborenes Interesse daran haben, ihre Autonomie unter Beweis zu stellen. »Du bist noch viel zu klein, um dich ganz allein anzuziehen, Schatz. Das kannst du doch noch gar nicht. Warte kurz, Mama, geht mal eben in die Küche, und wenn ich zurück komme, dann helfe ich dir.« Und schwups, steht das Kleinkind fertig angezogen in der Tür. Leider durchschauen Kinder den Trick recht schnell und reagieren auf »Nein, du darfst erst Brokkoli, wenn Du deine Pommes aufgegessen hast!« meist mit einem höhnischen »Als ob, Mama!«
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In der Partnerschaft dagegen kann paradoxe Intervention ganz gut funktionieren, wenn man schon alle Level passiv-aggressiven Verhaltens durchgespielt hat. Wenn ein Satz wie »Bitte verlieb Dich nicht in mich!« am Anfang iIhrer Beziehung stand, Ihr Partner demnach gut auf paradoxe Interventionen anspricht, dann können Sie es im Verlauf der Beziehung auch mal mit folgenden Knallersätzen versuchen:

»Mach dir bloß nicht zu viel Stress mit meinem Geburtstagsgeschenk!«
»Mehr Sport würde ich mir an deiner Stelle wirklich nicht zumuten!«
»Lass uns dieses Jahr in der Fastenzeit 40 Tage auf Sex verzichten.«
»Schwer heben ist nicht gut für deinen Rücken, lass die Müllsäcke bitte stehen!«
»Man kann sein Geld wirklich für Wichtigeres ausgeben als für Schnittblumen.«
»Könntest du abends im Bett bitte noch sehr lange lesen und laut mit den Seiten rascheln?«
»Ich denke, eine Affäre mit unserer Nachbarin könnte wirklich sehr bereichernd für dich sein.«
»Nein, bitte, bleib ruhig zuhause, leg dich aufs Sofa, ich geh allein aus.«
»Und bitte nicht soviel Staubsaugen, während ich weg bin.«
»Ohne herumliegende Socken ist unsere Wohnung nur halb so gemütlich.«
»Iss du bitte die Schokolade im Kühlschrank, die muss dringend weg. Und lass die Finger von der Paprika!«
»Deshalb zum Arzt gehen? Ne, lass mal, das geht sicher von allein wieder weg.«
»Mach doch die Musik bitte lauter! Und wir haben auch schon lange nicht mehr die Demotapes von deiner alten Band gehört!«
»Bitte schmeiß deine 20 Jahre alten T-Shirts nicht weg, die erinnern mich daran, wie jung und schlank wir mal waren.«
»Billigen Kleinkram für die Adventskalender der Kinder zu besorgen und in Tütchen zu verpacken ist etwas, was ich, glaube ich, deutlich besser kann als du.«
»Du solltest auf jeden Fall deine Mutter bitten, mit uns Weihnachten zu feiern. Und vielleicht bleibt sie einfach gleich bis Silvester, damit es sich auch lohnt.«

Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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