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Mode 19. November 2017

»Nur Trottel tragen nachts eine Sonnenbrille«

Interview: Jens-Christian Rabe  Foto: Universal Music/Brendan Walter

Was macht guten Stil aus? Die Popsängerin Lorde erzählt im Interview von ihren Vorbildern, dem notwendigen Willen zur Schrägheit und warum eine schlechte Erfahrung ihrem Selbstbewusstsein geholfen hat.

Im Sommer dieses Jahres kam das großartige zweite LORDE-Album »Melodrama« heraus, mit dem sie derzeit auf Welttournee ist.
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SZ-MAGAZIN Was ist schlechter Stil?

Lorde: 
Wenn man aussieht, als habe man sich sein Outfit gerade eben irgendwo geliehen. Guter Stil ist, wenn es wirkt, als wäre man geboren worden, um ­genau die Sachen zu tragen, die man gerade trägt.

Aber eigentlich ist doch alles irgendwo abgeguckt? 
Ich denke, es kommt auf die kleine Extra­behandlung an. Nur so entsteht ein Stil. ­Ich habe früher alle meine Klamotten in ­Secondhandläden gekauft, sie aufgeschnitten und neu zusammengesetzt. Ich schneide auch heute noch gern Löcher in meine ­Sachen. Außerdem sind Sonnenbrillen gut. Und Blumen. 

Blumen?
Ja, im Knopfloch. Mein Motto ist: Blumen helfen.

Haben Sie eine Stilikone?
Ja, es sind sogar zwei: die Olsen Twins, ­Mary-Kate und Ashley.

Diese ehemaligen Kinderstars, die zu ­extrem erfolgreichen Selbstvermarktern wurden? Wirklich?
Ja, das sind meine Stilikonen, so seltsam das klingt. Sie sind immer irrsinnig chic angezogen. Meine Verehrung geht so weit, dass ich mir, bevor ich das Haus verlasse, mein Outfit ansehe und mich frage: Würde das auch ein Olsen Twin anziehen?

Was hat guter Stil mit Schönheit zu tun? 
Es gibt vor allem einen großen Unterschied zwischen Schönheit und Stil: Schönheit ist ein Geschenk, Stil ist harte Arbeit.

Kann man es dabei nicht auch über­treiben? Ist es möglich, dass jemand, der stilvoll wirkt, nur ein Angeber ist?
Allerdings. Wenn jemand zu trendbewusst aussieht, kann das grausig sein. Ich kann Männer nicht leiden, die zu viel Schmuck tragen. Die denken, sie wären irre stilvoll. Sind sie aber nicht. Einfachheit gewinnt. Und Trends sind gefährlich. Es kommt darauf an, ob das, was jemand trägt, gerade auch von vielen anderen getragen wird. Wenn das der Fall ist, hat man es nicht mit einem stilvollen Menschen, sondern mit einem allzu fleißigen Instagram-Nutzer zu tun.

Es heißt, dass Sie Energydrinks lieben. Stimmt das?
Oh ja, aber es ist furchtbar, dass das so ist.

Ach, aber das ist doch lässig unprätentiös.
Finden Sie?

Lässigkeit ist doch das Stilideal, auf das sich alle einigen können.
Womöglich, aber ich bevorzuge Präzision. Mit Köpfchen vorzugehen, ist viel eindrucksvoller.

Dann würden Sie sicher nie nachts eine Sonnenbrille tragen? 
Nur Trottel tragen nachts eine Sonnenbrille.

Und viele Popstars. Wollen Sie damit ­sagen, dass Ruhm den Stil versauen kann?
Auf jeden Fall. Es besteht eigentlich ständig die Gefahr, in vollkommen absurde Klamotten gesteckt zu werden. Ich frage mich regel­mäßig, was wohl meine Freunde in Neu­seeland wieder über dieses oder jene Outfit denken, in dem ich zu sehen bin.

Wen halten Sie für den stilvollsten Künstler der Welt?
Solange Knowles ist fantastisch. Weil es ja nicht nur darum geht, was man trägt, sondern vor allem, wie man etwas trägt. Und niemand trägt ­ultrafeine seidene Hosenan­züge so anmutig wie Solange. Als wäre es das Normalste der Welt.

Es geht also um Selbstbewusstsein?
Ich habe als Kind immer ­etwas seltsam ausgesehen, wie ein kleiner Geist, sehr blass. Alle haben über mich gelacht, wenn ich die Straße entlanggelaufen kam. Aber das hat mich sehr selbstbewusst gemacht. Es ist also eher umgekehrt: Der Wille zum Stil kann einen selbstbewusst machen. Oder wenigs­tens ein gewisser ­Wille zur Schrägheit.
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