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aus Heft 11/2012 Familie

Ganze Arbeit

Seite 2: Mit Liebe und etwas Disziplin geht alles

Frederik Obermaier (Interview)  Fotos: Bulls/ Barcroft Media

Typisches Einfamilienhaus: Chana lebt mit seinen 180 Familienmitgliedern in fast 100 Zimmern.


Zu den 94 Kindern und 39 Frauen kommen 14 Schwiegertöchter und 33 Enkel. Das ist ja eine ganze Horde, die Sie durchfüttern müssen.
Für ein Abendessen brauchen wir in der Regel 30 Hühner, 65 Kilo Kartoffeln und 110 Kilo Reis. Mit dem Kochen sind jeden Tag fünf andere Frauen dran, meine Töchter helfen ihnen. Gegessen wird dann in Etappen: Die Jüngsten essen zuerst, dann ihre älteren Geschwister, am Ende ich zusammen mit meinen Frauen.

Und den Abwasch machen dann Sie?
Nein. Jeden Morgen bestimmen meine älteren Ehefrauen, wer am Tag was machen muss, wer also kocht, wer putzt, wer abspült. Und so wirds dann gemacht.

Und was passiert, wenn alle gleichzeitig aufs Klo müssen?
Wir haben zehn Badezimmer, jeder muss sich an festgelegte Zeiten halten, sonst endet das im Chaos. Mit Liebe und etwas Disziplin geht alles.

Aber es gibt doch sicher kleine Streitigkeiten?
Nein, absolut nicht. Meine Frauen sind wie Schwestern zueinander, da gibt es nie Streit. Sie wissen, dass das meine Gefühle verletzen würde.

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Ihre Familie braucht Berge von Essen und Berge von Kleidung. Wie können Sie sich das leisten?
Mir gehören ein paar Möbelgeschäfte und Bananenplantagen. Gemüse wächst massenhaft in den umliegenden Bergen. Ich bin außerdem der Bürgermeister des Dorfes und das Oberhaupt unserer Glaubensgemeinschaft, da bekomme ich oft Spenden. Und meine ältesten Söhne arbeiten, sie tragen auch ihren Teil zur Haushaltskasse bei.

Sie sind jetzt 67 Jahre alt. Haben Sie schon genug Frauen?
Es ist nicht die Frage, ob ich schon genug habe, sondern ob Gott schon genug hat. Ich beuge mich seinem Willen. Vor zwei Jahren habe ich zum letzten Mal geheiratet: Simthiangni – sie war damals 26 Jahre alt. Sollte morgen aber eine neue Frau anklopfen, werde ich sie sicher nicht abweisen.

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Im Namen des Herrn:


Ziona Chana ist das geistige Oberhauupt der christlichen Sekte Ziona Ka Pa, was »Vater« bedeutet. Gegründet wurde die Glaubensgemeinschaft 1942 von Chanas Vater und dessen Bruder. Die Mitglieder leben weitgehend isoliert von der Außenwelt in dem Dorf Baktawng im indischen Bundesstaat Mizoram. Sie glauben daran, dass die Rückkehr Christi kurz bevorsteht und dass das Sektenoberhaupt regelmäßig mit Gott spricht. Polygamie ist erlaubt – tatsächlich hat aber in Baktawng außer Ziona Chana nur ein anderer Mann ebenfalls mehrere Frauen: sein ältester Sohn.
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Frederik Obermaier

stand bei der Vorbereitung des Interviews vor einem Problem: Er spricht kein Hindi – und Herr Chana kein Englisch. Zum Glück fand er den indischen Journalisten Tasim Zahid, der ihm Fragen und Antworten übersetzte. Danke!

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