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aus Heft 11/2012 Aus dem Magazin

Ein Traum von einer Frau

Antje Wewer  Bild: Reuters

Die ganze Welt redet seit Monaten von Lana Del Reys Hits, von ihrem Image als Vamp, als Femme fatale, als große Verführerin. Aber eins weiß man immer noch nicht: Was findet sie eigentlich selbst verführerisch?


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SZ-Magazin: Lange Haare, falsche Wimpern, angeklebte Fingernägel, volle Lippen. Miss Del Rey, setzen Sie gern auf das klassische Weibchen-Schema?

Lana Del Rey: Ich setze nicht darauf, mir gefällt dieser Look. Falsche Wimpern und Nägel trage ich seit der Highschool. Die günstigen aus der Drogerie sind übrigens die besten. Und ja, meine Hülle ist ein inszeniertes Versprechen, das niemals eingelöst wird, weil es nicht real ist.

Auf dem Cover Ihres neuen Albums Born to Die tragen Sie eine hochgeschlossene Bluse …
… die leicht durchsichtig ist, sodass man meinen BH sieht. Eine Kombination, die Männer völlig kirre macht. Ich liebe diese spielerischen Andeutungen. Funktioniert bei Männern immer.

Im Video zum Titelsong geht es mit einem hübschen, tätowierten Mann im Auto zur Sache. Was ist daran so reizvoll?
Als Teenager in Amerika bleibt einem nichts anderes übrig: Das Auto ist die einzige Möglichkeit, mit einem Jungen allein zu sein. Man fährt an einen einsamen Ort, hockt dicht nebeneinander, kurbelt das Fenster runter, lehnt die Sitze zurück – und dann wird geknutscht. Alternativ bietet sich natürlich auch die Motorhaube an. Ich liebe es, von einem Mann im Wagen abgeholt zu werden. Für mich als junges Mädchen schwang da auch immer der Gedanke von Flucht mit.

Haben Sie eigentlich ein Beuteschema, wenn Sie auf der Männerjagd sind?
Ich finde Tattoos sexy, habe eine Schwäche für hoffnungslose Romantiker, und wenn Elvis noch leben würde, täte ich alles, was in meiner Macht liegt, um ihn zu verführen. Davon abgesehen, hatte ich schon die unterschiedlichsten Typen. Was mich aber tatsächlich anzieht, ist nichts Äußeres. Wirklich schwach werde ich, wenn sich ein Mann sozial engagiert. Und ich meine damit nicht, dass er Geld spendet oder Schecks auf Bühnen überreicht. Nein, mich beeindruckt ein Mann, wenn er nicht nur galant Türen aufhält, sondern sich nicht zu fein ist, mit Obdachlosen Karten zu spielen, mit Kindern von Drogenabhängigen zu kicken, oder wenn er sich in seiner Gemeinde engagiert.

Welcher Männer-Look funktioniert bei Ihnen so gut wie immer?

Der James-Dean-Look: Bluejeans, weißes T-Shirt, eingetragene Lederstiefel.

Nehmen wir an, Sie nehmen einen Mann mit nach Hause. Welche Musik legen Sie auf?
Keine Musik! Gerade in so einer intimen Situation möchte ich nicht von der Stimme oder den Gedanken eines anderen abgelenkt werden. Außerdem lebe ich zurzeit in London nicht in meiner eigenen Wohnung, sondern im Hotel. Was im Grunde sowieso viel reizvoller ist. Die meisten meiner Freunde sind älter als ich, haben schon Kinder und erzählen mir immer, dass sie sich im Hotel viel freier und enthemmter als zu Hause fühlen.

Vermutlich auch, weil es dort eine Minibar gibt…
Ich trinke nicht.

Niemals?
Nein, niemals. Ich kann mein betrunkenes Ich nicht ausstehen.

Marilyn Monroe trug im Bett angeblich nur Chanel Nr. 5. Was tragen Sie?
Ein weißes Nachthemd aus Baumwolle, das bis zum Knie geht. Es sieht unschuldig aus, macht keine Angst, erzeugt keine zu hohen Erwartungen. Und vermutlich dufte ich noch ganz leicht nach Melone. Mein Parfum »Spring Flower« ist von Creed und wurde ursprünglich für Audrey Hepburn kreiert.

Das klingt jetzt aber brav. Gibt es eine Filmszene, die Sie besonders sexy finden?
Robert De Niro als völlig durchgedrehter Max Cady in Kap der Angst. Die Szene, in der er seiner jungen weiblichen Geisel, gespielt von Juliette Lewis, seinen Daumen in den Mund steckt und für eine Sekunde eine erotische Spannung zwischen den beiden existiert. Wow! Die Szene ist so abgefuckt, es ist so falsch, was da passiert, und an der Grenze zum schlechten Geschmack. Aber es ist für einen Augenblick unheimlich und erregend.

Der schlaueste Rat, den Sie im Hinblick auf Männer je erhalten haben?
Meine Großmutter, die wunderbarste, eleganteste Frau, die ich kenne, gab mir diesen mit auf den Weg: Wenn du genau hinhörst, erzählen dir die Männer gleich am Anfang, wer sie wirklich sind und was sie vorhaben. Und: Ein sicheres Indiz, ob es jemand ernst mit dir meint, ist der Stallbesuch.

Stallbesuch?
Nur wenn ein Mann bereit ist, dir seinen Stall, also seine Familie, vorzustellen, peilt er auch eine ernste Beziehung an. Im Umkehrschluss heißt das: Wer meine Großmutter kennenlernen darf, hat es in mein Herz geschafft.

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Antje Wewer

wäre von Lana Del Reys Makellosigkeit irritiert, hätte sie nicht das dreiköpfige Haare- und Make-up-Team im Fahrstuhl des Berliner Hotels »Soho House« getroffen. Wewer musste ihr versichern, dass sie keine Hardcore-Feministin ist, die sie vorführen will.

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