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aus Heft 06/2012 Politik 2 Kommentare

Stillstand

Seit der Loveparade-Katastrophe ist Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland eigentlich nicht mehr haltbar. Jetzt droht ihm die Abwahl. Ein letzter Versuch, den Mann zu verstehen.

Von Bernd Dörries  Fotos: Thomas Rabsch



Hier ist Sauerland in seiner Lieblingsdönerbude. Mit dem Besitzer ist er befreundet, das Essen, sagt er, schmecke ihm dort ausgezeichnet.

Man kann nicht sagen, dass Adolf Sauerland auf der Flucht ist vor den Bürgern seiner Stadt. Aber auf der Hut ist er schon. Es sind nur wenige Meter vom Rathaus bis zur Geschäftsstelle der CDU in der Fußgängerzone, die man auch ganz gut zu Fuß gehen könnte. »Fahren geht schneller«, sagt Adolf Sauerland. Aber bequemer ist es eben auch, so hinter der Scheibe durch eine Stadt zu fahren, in der er schon mit Ketchup bespritzt wurde. In der ihm der Tod gewünscht wurde. Adolf Sauerland muss sich in Acht nehmen vor den Menschen der Stadt und dem, was sie über ihn erzählen.

Sauerland, 56, hat abgenommen in den Weihnachtsferien und trägt einen schönen Anzug an diesem Dienstag Ende Januar, nicht eines seiner Jacketts, die über ihm hängen wie ein Regenmantel, die ihn noch breiter und kleiner werden lassen. Die Leute in der Fußgängerzone schauen, als er um die Ecke biegt, es ist keine Abscheu zu lesen in ihren Gesichtern, eher ein Staunen, so als ob jemand plötzlich auftaucht, den man vor allem aus dem Fernsehen kennt, über den so viel Böses geschrieben wurde in den Zeitungen und im Internet. Adolf Sauerland verspürt keine Neigung, an diesem Tag für weiteren Gesprächsstoff zu sorgen. Vor dem Aufzug, der ihn nach oben zur CDU-Geschäftsstelle bringen soll, warten schon zwei Menschen, die kleine Kabine kommt. »Fahren Sie nur«, sagt Sauerland zu den anderen. »Mit mir sind wir zu schwer. Dann bimmelt es wieder, und morgen steht es in der Zeitung.« Er lacht nicht, als er das sagt, er tut sich nicht leid. Es ist wohl Routine geworden, auf der Hut zu sein vor seiner eigenen Stadt.

Er ist seit vielen Jahrzehnten in der Politik, hat klein angefangen in der Bezirksvertretung, er weiß, wie das ist, sich hinzustellen und gegen andere anzutreten, auszuteilen und einzustecken, Wahlkampf zu machen also. Diesmal ist es aber anders, weil er da ja ganz allein steht auf der Bühne, weil die Duisburger beim Abwahlbegehren am Sonntag nicht zwischen ihm und einem anderen entscheiden können, weil es nur um ihn geht. Die Gegner brauchen 92 000 Stimmen, ein Viertel aller Wahlberechtigten. Eine Abwahl Sauerlands ist schwierig, seine Gegner müssten mehr Menschen mobilisieren, als Sauerland bei der letzten Wahl ihre Stimme gaben.

In diesen Tagen fährt man durch eine Stadt, in der überall die Plakate kleben, die einen Neuanfang wollen ohne ihn. In der aber kein einziges für ihn wirbt. Man hört und liest, was seine Gegner über ihn denken, und bekommt den Eindruck, als gebe es kaum Menschen, die ihn auch ganz gern mögen, wenigstens als Mensch. Es ist schwer, in diesen Tagen und Wochen kein Mitleid mit Adolf Sauerland zu bekommen. Wahrscheinlich ist genau das auch sein Kalkül.

Im Juli 2010 starben 21 Menschen bei der Loveparade in Duisburg. Damals diskutierten die Stadt und auch das ganze Land über Adolf Sauerland: Wie einer so heißen könne, der so lange nach dem Krieg geboren wurde? Warum er noch im Amt ist, nach all den Toten?

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Manchmal sieht es so aus, als bestrafe sich da einer selbst, indem er so lange im Amt bleibt, indem er es erträgt, dass knapp 70 000 Menschen ihre Unterschrift gaben, damit das Abwahlbegehren möglich wurde und nun gegen ihn abgestimmt werden kann. Die letzten 18 Monate in Duisburg Adolf Sauerland zu sein war wahrscheinlich eine viel schlimmere Strafe, als ein Gericht sie jemals aussprechen würde, sollte es Sauerland für schuldig befinden für Fehler bei der Organisation der Loveparade. Warum also tut sich jemand das an? Den Hohn, den Spott. Und worum geht es dabei? Um Duisburg, so wie Sauerland es immer wieder sagt? Oder nur um ihn? Ist es der Kampf eines Einzelnen, der die ganze Stadt als Geisel nimmt? Vor Kurzem begann die Staatsanwaltschaft auch noch wegen des Verdachts der Vorteilsnahme gegen Sauerland zu ermitteln, es geht um ein Bauprojekt im Innenhafen, zwei Immobilienentwickler hatten großzügig an die CDU gespendet.



Adolf Sauerland am Steuer.

Wenn man mit Sauerland ins Gespräch kommen will, dann sagt sein Sprecher immer erst einmal, dass das wirklich schwierig sei und die Texte der Vergangenheit nicht eben dazu beigetragen hätten, dass man Hoffnung habe auf ein ausgewogenes Bild. Man werde die Sache also noch einmal diskutieren.

Kommentare

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  • ENDBUREAUCRAZY BULLIES (0) NEW - https://www.youtube.com/watch?v=jtWCcCkB...

    NOT THAT IT IS GERMAN OR EUROPEAN UNION'S FOLD FOR WHAT IS TAKING PLACE, BUT INSTEAD LIBERAL/COMMUNIST BUREAUCRACY BULLIES IN INDIVIDUAL EUROPEAN STATES WHO LOVE TO PICK ON SMALL PEOPLE WITH IDEA TO TURN THEM INTO DISSIDENTS FOR THE SAKE OF THEIR POLITICAL AGENDA (anti German-European sentiment is used or stereotyping = exactly why we see Greece in flames and numerous people are incarcerated throughout German prison system) WITH USE OF GENOCIDE PROCEDURES WHILE BEHIND OUR BACKS, CRIMINALS ARE SUGGESTING TO THE REST OF COMMUNITY DURING THEIR BOGUS FINANCIAL CRISES WHICH THEY HAVE CREATED, HOW IT'S RIGHTISTS FOLD FOR EUROPEAN UNION TO FALL APART AND EVEN HOW THERE IS STILL HOPE(because YOUR hope people, dies last if you remember)...WE CAN STILL SAVE EUROPE(after they have screwed Europe with third world population flood and cheap Chinese imports = all with INTENTION to turn you in jobless trash for the sake of NWO, they dare to talk to you about hope - imagine this).

    As far as America, see for yourself on video(truth about chameleon Ron Paul, other presidential candidates, and manipulated voting pols)...
    NEW - https://www.youtube.com/watch?v=jtWCcCkB...
  • Michael Risse (1) Der arme Tropf lässt sich aus rechtlichen Gründen abwählen,damit er seiner Pension nicht verlustig geht. Ausserdem ist das normal,dass ein OB sich im Vorfeld mit so einer blödsinnigen Loveparade nicht beschäftigt.
    Wofür gibt es denn diesen ganzen Apparat von Beamtenärschen und diesen Verwaltungshengsten und sonstigen Schwätzern. Das war deren Aufgabe sicherzustellen,dass da nix anbrennt.Man kann doch dann,wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist,nicht einfach losplärren,DER MUSS ZURÜCKTRETEN!
    Billiges Bauernopfer? Hä??