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aus Heft 21/2011 Tiere/Pflanzen 2 Kommentare

Auf sie mit Gebell

Wenn die Menschen in Athen demonstrieren, läuft immer ein streunender Hund vorneweg: Der »Riot Dog« ist zur Ikone der Proteste geworden.

Von Cornelius Pollmer  Fotos: Getty, AP, rebeldog.tumblr.com

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Dieser Hund trinkt Molotowcocktails zum Frühstück, er ist ein Nachfahre von Alexander dem Großen, und das Gebäck, das er bekommt, hat die Form von Polizisten. Steht im Internet und stimmt natürlich nicht. Zwischen viel Ironie finden sich auf der Facebook-Seite des Riot Dog aber auch Sätze wie dieser: Er befasst sich mehr mit Politik als die meisten Amerikaner. Und das stimmt irgendwie schon.

Ende 2008 lief Riot Dog bei den Demonstrationen vorneweg, nachdem ein Polizist einen Jungen erschossen hatte. Er unterstützte den Protest der Feuerwehrmänner 2009, danach auch jenen der Milchbauern. Er bezog Position in der ersten Reihe, als es gegen die NATO ging, und er schaffte es als Cover Dog sogar auf die Europa-Ausgabe des Economist. In diesem Mai huschte er in einem Beitrag der Tagesschau wieder durchs Bild: Widerstand gegen Sparmaßnahmen der griechischen Regierung. Der Hund ist der Star, obwohl es den einen Hund aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht gibt. Am Anfang stand Kanellos (»Zimt«), der Urrüde der Randale. Er streunte im Athener Szeneviertel Exarchia, wo vor allem Künstler und Studenten wohnen und wo die Universität steht. Ein Dekan hetzte ihm dort den Hundefänger auf den Hals, zum Glück ohne Erfolg. Studenten beschützten Kanellos, und sie hielten auch zu ihm, als sein Ende kam. Was Polizei und Dekan nicht gelungen war, erledigte schließlich die Arthritis. Am 2. Juli 2008 soll Kanellos im Alter von 17 Jahren gestorben sein.

Sein Erbe hat Loukanikos (»Würstchen«) angetreten. In einem der vielen YouTube-Videos gibt es eine schöne Szene, die zeigt, warum der Riot Dog zur Ikone des Widerstands geworden ist: Ein Block Polizisten kommt die Straße herab, plötzlich fallen Schüsse. Die Demonstranten flüchten in eine Seitenstraße, nur Loukanikos jagt fröhlich dahin, wo es knallt und raucht. So viel Furchtlosigkeit ist ein Signal an die Demonstranten der Welt: Seid mutig und beharrlich.
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Kommentare

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Kommentar:

  • Kristine McClannen (0) "Er befasst sich mehr mit Politik als die meisten Amerikaner."
    Was die dummen Amerikaner mit dieser "Geschichte" zu tun haben, weiss ich nicht. Aber gut, dass der Autor sich die Gelegenheit genommen hat, seinen Arroganz auszudrucken. (Gucken Sie mal bei den Statistiken des Institute for Democracy and Electoral Assistance - die deutsche Wahlbeteiligung ist gar nicht so weit entfernt von der amerikanischen. Gratuliere!)
    Zum Thema greichischn Demonstranten, ich bin sicher, dass die die nette Cliche-Aufmunterung "seid mutig und beharrlich" zum Herzen nehmen, und kaempfen weiter gegen Steuerzahlen und Verantwortung.
    Go Riot Dog, Go! Zerstreure die Ignoranz!
  • christian hückstädt (0) 110 000 Griechen demonstrieren am 29.5. und vorher lautstark aber friedlich vor dem griechischen Parlament und dem SZ Magazin fällt nicht Besseres ein als über einen HUND zu berichten? Ignoranz oder Kalkül, der launige Tonfall, Thema und Bildauswahl laden zu folgenden Schlussfolgerungen ein.
    1. Die Griechen sind Chaoten. 2. Die sich ausweitende Protestbewegung geht von einer Krawall und - gewaltbereiten , steinewerfemden Jugend aus.
    Auf die aktuellen Proteste trifft das nun überhaupt nicht zu!! Vor dem HIntergrund, dass die Süddeutsche Zeitung in den letzten Wochen so gut wie gar nicht über die Protestbewegung in Spanien und Griechenland berichtet hat, wiegt dieser sich lustig gebende Bericht um so schwerer. Ärgerlich für eine Zeitung, die ich bisher als Qualitätsprodukt wahrgenommen habe.