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aus Heft 18/2010 Gesundheit 13 Kommentare

Wundersame Heilung

Dieser Mann hat eine Salbe erfunden, die dem Körper helfen soll, sich selbst zu heilen. Fauler Zauber? Nein. Die Salbe wirkt.

Von Werner Bartens  Foto: Heji Shin





Die Füße von Harley Sophia sind klein und schmal, die Haut an der Sohle, den Zehen und auf dem Fußrücken ist weich und geschmeidig. Nur zwischen dem dritten und vierten Zeh am rechten Fuß versteckt sich eine kleine rötliche Narbe. Und zwischen Fuß und Unterschenkel weist die Haut geringfügige Pigmentunterschiede auf, ungefähr dort, wo die Socken enden. Ansonsten unterscheidet sich der Fuß nicht von Füßen anderer dreijähriger Mädchen. Und das, so sehen es nicht nur ihre Eltern, ist ein Wunder.
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Ende Mai, ein heißer Tag, Harley Sophia spielt mit ihren Freunden im Garten der Eltern, die ein klosterartiges Anwesen zwischen Starnberg und Weilheim bewohnen. Die Kinder schwitzen und wollen sich im Wasser abkühlen. Die Eltern füllen die Sommerbadewanne - fatalerweise zunächst nur mit Wasser, das sie im Kocher erhitzt haben. »Die Kinder waren weit weg und spielten am anderen Ende des Grundstücks, wir sahen keine Gefahr«, erinnert sich Gerald Meier, der Vater. »Jeder von uns dachte, der andere hätte das kalte Wasser schon eingefüllt«, erinnert sich die Mutter.

Plötzlich steht Harley Sophia in dem kochend heißen Wasser und schreit. In einer Art Schreckstarre verharrt sie mindestens zehn Sekunden lang, obwohl ihre Füße fast gekocht werden. Sie schreit und schreit, aber sie bewegt sich nicht, bis der Vater sie aus der Wanne reißt. »Die Haut hing ihr in großen weißen Lappen von beiden Füßen, das sah aus wie Weißwurstpelle«, erzählt die Mutter. »Sie hat geschrien wie am Spieß, bis sie endlich Schmerzmittel bekam.« Der Notarzt fährt das kleine Mädchen auf schnellstem Wege in die Klinik nach Weilheim, der Rettungshubschrauber bringt sie von dort ins Schwabinger Krankenhaus. Schließlich hat Harley Sophia teilweise Verbrennungen dritten Grades.

Kann man wirklich von einem Wunder sprechen, um zu beschreiben, was danach geschah?

Am besten vermag das Augustinus Bader zu beurteilen, der in diesem Fall der Wunderheiler wäre. Aber der sagt gelassen: »Die Natur ist das Wunder. Wir haben nur gelernt, wie die Heilung im Körper funktioniert, mehr nicht.« Eine gewaltige Untertreibung: In Wahrheit haben Augustinus Bader und sein Team wahrscheinlich ein fundamentales Prinzip entdeckt und sind dabei, eine neue, revolutionäre Therapie zu entwickeln. Eine Heilkunde, die sich die Selbstheilungskräfte des Körpers zunutze macht und stimuliert. Augustinus Bader, ein blonder Bayer aus Augsburg, der nun als Professor Zelltechnologie in Leipzig lehrt, ist Wissenschaftler durch und durch. Deshalb geht er mit seinen spektakulären Ergebnissen erst jetzt an die Öffentlichkeit, da er sie fachlich abgesichert hat.

Die Experimente im Labor wurden dutzendfach wiederholt, die Studien in Fachmagazinen publiziert, in denen sie nur erscheinen, wenn andere Kollegen die Untersuchungen begutachtet haben. Dabei ahnt Bader, dass seine Entdeckungen die Medizin tiefgreifend verändern und Tausenden Menschen helfen könnten: Unfallopfern, Diabetikern, Verbrennungsopfern, Tumorpatienten, womöglich auch Nervenkranken und Menschen mit Infarkt oder Schlaganfall. Mehr als ein paar Dutzend Menschen hat er schon geholfen, in individuellen Heilversuchen bei verschiedenen Anwendungen, wie das in der Fachsprache heißt. Einer dieser Heilversuche betraf Harley Sophia.

Der Vater des Mädchens kennt Bader und hat von dessen neuen Heilmethoden gehört. Im Krankenhaus in Schwabing sagt er den Ärzten sofort, er wolle eine neue Therapie ausprobieren. Die Ärzte im Schwabinger Krankenhaus nehmen den Plan nicht weiter ernst und stellen sich auf das übliche medizinische Prozedere bei solch schweren Verletzungen ein: Wundreinigung mit einer Art Schmirgelpapier, ansonsten abwarten, bis das verbrühte Gewebe abstirbt und sich chirurgisch unter Vollnarkose abkratzen lässt. Bis dahin dauert es etwa zehn Tage, und diese Zeit ist für die Patienten allenfalls mit Schmerzmitteln zu ertragen. Danach wird versucht, gesunde Haut von anderen Stellen des Körpers auf die zerstörten Bereiche zu übertragen. Das ist langwierig, oft bleiben hässliche Narben zurück und Gefühl, wie Temperaturempfindung, jahrelang gestört.

Auch Harley Sophia bekommt nun Schmerzmittel verabreicht. Zusätzlich werden ihre verbrannten Füße aber mit dem von Augustinus Bader entwickelten Hydrogel behandelt. Bader ist sofort von Leipzig nach München gekommen, als der Vater ihm vom Unglück des kleinen Mädchens berichtet hatte.

Zehn Tage nach dem Unfall in der Badewanne soll die Operation stattfinden, bei der das tote Gewebe beseitigt wird. Doch nach zehn Tagen gibt es für die Ärzte nicht mehr viel zu tun. Die Füße von Harley Sophia sind komplett und ohne Komplikationen zugeheilt, nur die besagte Stelle zwischen dem dritten und dem vierten Zeh am rechten Fuß weist Narben auf. An dieser Stelle reicht der Gewebedefekt bis tief ins Fleisch - deshalb bleibt eine kleine Rötung zurück.Nach zwei Wochen wird das Mädchen aus dem Krankenhaus entlassen. Drei Wochen nach dem Unfall läuft es wieder barfuß über die Wiese und planscht im Wasser. Und die Ärzte in Schwabing? »Die waren zur Transplantation bereit«, sagt der Vater. »Aber dann haben sie ihren Augen nicht getraut.«

(Auf der nächsten Seite lesen Sie, wie das menschliche Gewebe in der Lage ist, sich selbst zu heilen.)

Kommentare

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Kommentar:

  • Dagobert Duck (0) Wieso reden hier alle ständig von einem Mittel. Ich habe den Artikel zwar auch gelesen, aber soweit ich das verstanden habe, setzt die Behandlungsmethode dieses Herrn doch vor allem bei adulten/mesenchymalen Stammzellen an; was gibts da also zu blockieren seitens Pharmaindustrie. Außerdem - gesetz dem Fall, all das, was in dem Artikel steht, entspricht der Wahrheit - wäre die Lobby derer, die auf ein solches "Mittel" schon lange gewartet haben, größer als die jeder anderen Vereinigung mit potentiell niederträchtigen Beweggründen.
  • Christin Scholz (0) Negative Gedanken erschaffen negative Realitäten. Was wollen wir denn? Recht haben oder daran glauben und helfen?
  • Markus Wenzel (1) Dieser Artikel ist wirklich unter aller Kanone. Reißerische Sprache, unqualifizierte Behauptungen, Wertungen ohne Grundlage. Wie kann sowas im SZ-Magazin enden? BILD-Zeitung oder Apotheker-Rundschau wären geeigneter...
  • Ernesto Lukschik (0) Ich verstehe die Aufregung mancher Kommentatoren hier nicht.
    Denn selbst wenn wir unterstellen, das alle beschriebenen Heilungseigenschaften dieses Mittels zutreffen, werden wir nix davon haben.
    Schon im Normalfall dauert es regelmäßig sehr lange, bis ein Arzneimittel zugelassen wird, und erst recht, bis es die Kassenzulassung bekommt.
    In diesem Fall würden die Zulassungen bedeuten, dass tausende auf dem Markt befindliche Medikamente zu Ladenhütern würden und eingestampft werden müssten. Deshalb wird die Pharmaindustrie nix unversucht lassen, um eine Zulassung zu verhindern, und dies dürfte wohl weltweit so ähnlich ablaufen.
    Wenn überhaupt, dann haben vielleicht mal unsere Urenkel was davon ...
  • Peter Hilden (0) REGIVIDERM die 2te...
    wieder eine neue Wundersalbe... aber diesmal besser: DAS universelle Spezifikum, geschmiert und gespritzt!!

    Wirkt WIRKLICH gegen Verbrennungen 3.Grades, Querschnittlähmung, Hüftkopfnekrosen, schwerste Speiseröhrenverätzungen, schwerste Vergiftungen, ja, sogar Multiple Sklerose ist jetzt heilbar!
    Und gut, daß der "blonde Bayer" diese sensationelle Erfindung nach fachlicher Absicherung und patentrechtlichem Schutz jetzt der Menschheit zukommen lassen will...
    ...leider wird sich diesmal der WDR nach dem Regividerm-Debakel kaum noch einmal vorführen lassen, und daß man in der SZ einem Herrn Werner Bartens (warum erinnert mich der Name an Herrn Klaus Martens?) gestattet, sein fragwürdiges Buch zu promoten, läßt mich erschaudern. Hier werden die Hoffnungen zahlreicher Menschen mißbraucht, die auf der Suche nach einer Heilung nach jedem Strohhalm greifen werden. Und dabei betrogen werden.
    Auch wenn die lokale Anwendung von Sanamander (vielleicht) ein kleiner Puzzlestein bei der Verbesserung der lokalen Wundversorgung darstellen könnte.
    Alles andere ist HOKUSPOKUS... ganzheitlicher!
  • Egon Tech (0) Guten Tag Herr von Richthofen,wenn Sie der sind,den ich meine,dann grüssen Sie die 'Rose auf Rügen ' von mir(etech-48@web.de )...
    Zum Thema,ich beobachte das Geschehen schon geraume Zeit mit Misstrauen,dieser Herr Prof. sollte erst eine Patentrecherche machen,bevor er soetwas in die Welt posaunt...allererste Unverfrorenheit,lange patentiert und aus Jahrzehnte Grundlagenforschung der Zellbiologie,Immunmodulatoren und angewandter Nanotechnologie(Nanobiologicals+Nanominerals )entwickelt...angewandt und !! geklaut !! Jene Dame weiss aus eigener Erfahrung um das Potential...ich werde dieses als gröbste Patentverletzung(PA, Egon Tech, jeder Zeit nachlesbar !!) betrachten und auch so handhaben,das Potential ist aber sagenhaft und wird einen neuen Abschnitt in der Medizin bedeuten,nur nicht von dem Herrn,hier sind ganz andere federführend...Geistesdiebstahl wird streng bestraft !! Mit freundlichem Gruss,Egon Tech
  • Gudrun Taubmann (2) ... und hier, für alle, die's interessiert:

    1. Einige Artikel aus der Publikumspresse, in denen unter anderem auch Prof. Baders Forschungen erwähnt werden
    (z.T. auch schon von Werner Bartens)

    SPIEGEL WISSEN 30.06.2009
    AN DER WUNDE
    Ein Biomediziner plant eine neue Stammzelltherapie.
    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelwis...

    DIE ZEIT (Ausgabe ? 23/2001 – nach der URL zu schließen)
    DIE ZWEITE HAUT
    von Werner Bartens
    http://www.zeit.de/2001/23/200123_z-orga...

    DIE ZEIT (Ausgabe ? 35/2000 – nach der URL zu schließen)
    K L O N E N I I I - Revolutionäre Zellen
    Von Werner Bartens
    http://www.zeit.de/2000/35/200035_barten...


    Augustinus Bader (2005)
    Brückenschlag zwischen der präventiven und regenerativen Medizin
    http://www.journal-of-preventive-medicin...

    2. Patentanmeldungen von Bader

    TISSUE REGENERATION METHOD
    (weiter unten auf der Seite kommt deutscher Text mit ausführlichen Erklärungen)
    http://www.wikipatents.com/CA-Patent-255...

    PLASTER WHICH RELEASES ACTIVE COMPOUND
    (nur in Englisch)
    http://www.faqs.org/patents/app/20090018...

    Für Nicht-Mediziner ist das natürlich ziemlich schwer zu beurteilen...

    Schönen Tag noch
    GT
  • Gudrun Taubmann (2) Guten Morgen,

    ich hab mal ein bisschen recherchiert:

    Hier findet man eine Liste der wissenschaftlichen Publikationen von Augustinus Bader:
    http://www.uni-leipzig.de/~bader/publica...

    (Dies ist ein Test, ob die Links als solche "übersetzt" werden oder in HTML formatiert werden müssen. Es folgt noch mehr.)
  • Juergen Helmerichs (0) Guten Morgen,
    ich habe den Artikel über A. Bader mit Interesse gelesen. Nach meinem Eindruck `zwischen den Zeilen´ meine ich, dass er als seriös einzustufen ist. Nun bin ich kein Fachmann auf dem Gebiet der Medizin, weiß aber, dass die Grenzbereiche jeder wissenschaftlicher Forschung immer noch Fragen offen lassen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein Krankheitbild hinweisen, dass als `Sudeck´ (richtig geschrieben?) bezeichnet wird. Meines Wissens konnte eine wirksame Therapie mit Ausheilung des Sudecksyndroms bisher nicht entwickelt werden. Nun könnte ich mir vorstellen, dass Herr Bader die richtigen Ansätze liefert, um den Sudeck vielleicht in den Griff zu kriegen (?). Doch leider kann ich ihn dazu nicht befragen.
    Netter Gruß
    J. Helmerichs
  • Thomas Morgan (0) "...die Studien in Fachmagazinen publiziert, in denen sie nur erscheinen, wenn andere Kollegen die Untersuchungen begutachtet haben"
    Welche Fachmagazine sind damit gemeint? Ich habe bis jetzt keine finden können...
    Und glaubhaft ist so ein Werbebroschürentext nicht wirklich, oder?
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