Nummer Eins der Woche 15 Kommentare
Die Nummer Eins der Kinokunst: Ein Kuchen ohne Boden
Und was der Erfolg von "Der Gott des Gemetzels" über uns und andere sagt.
Von Nataly Bleuel
(Lust auf leckeren Cobbler? Christoph Waltz und Kate Winslet mit Berlins neuem Lieblingskuchen in dem Kinofilm “Der Gott des Gemetzels”. Foto: Constantin Film.)
Es kann nerven, aber manchmal ist es praktisch, Journalistinnen im Freundeskreis zu haben. Oft löchern sie einen mit Fragen und behaupten, es sei eben die déformation professionelle. Doch ihre Berufskrankheit lässt sich nutzen, um Dinge heraus zu finden, wichtige und abseitige. Leider ist für die wichtigen, komplexen oft nicht genug Zeit und Geld da. Aber ich will nicht schon wieder Systemkritik betreiben. Also zum Abseitigen.
In den letzten acht Wochen habe ich fünf Mal Crumble gegessen, so oft wie nie zuvor. Fast jeder, den ich derzeit in Berlin besuche, verschwindet in der Küche und kommt frohlockend mit einem Teller zurück, auf dem warme Früchte mit Streuseln dampfen. Allmählich überlege ich, mir andere Freunde zuzulegen. Oder weg zu gehen von Berlin. Denn eins ist klar: Nur in Berlin backen die Leute seit acht Wochen Cobbler. Und nennen ihn Crumble. Weil wir alle noch nie von Cobbler gehört hatten. Bis Penelope Longstreet ihn uns auftischte. Oder sagen wir besser: Jodie Foster.
Foster, John C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz sind die Typen aus dem Kinofilm “Der Gott des Gemetzels”, ich nenne sie bewusst nicht bei ihren Figurennamen, denn man identifiziert sich viel lieber mit den Stars dahinter. Und nicht mit diesen neurotischen, verkrampften, selbstverliebten, verlogenen, überbemühten, pseudo-lockeren Biedermeier-Eltern, die sich zerfleischen bis die Fetzen und der Cobbler halbverdaut durchs Großstadtwohnzimmer fliegen. Die Kotz-Szene von Kate Winslet, das nur am Rande, ist übrigens im Gegensatz zum sonst recht eitlen Schaugespiele von Jodie Foster und Christoph Waltz extrem realistisch. Als Mutter weiß man, wie surreal eine Fontäne aus einem Menschen heraus schießen kann.
Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um den Cobbler. Und um Berlin. Denn aus gut informierten Kreisen weiß ich: Der Film, letzte Woche die Nummer Eins der Arthouse-Charts, soll 80 Prozent des Umsatzes in Berlin gemacht haben.
Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich frage mich: Sehen wir uns hier den Film so gern an, weil wir ihn besonders gut verstehen? Weil wir so sind? Und wenn ja: Sind nur wir hier so neurotisch, verkrampft, eitel, verlogen und überbemüht? Wie sind Eltern anderswo? Hauen sich deren Kinder nicht gegenseitig aufs Maul? Wollen die nicht Gutes bewirken? Und auch mal Zyniker sein? Telefonieren die nie so lange, dass man ihre Blackberrys ins Blumenwasser schmettern muss? Kübeln die nicht auf die Kunstbücher anderer Leute? Welche Filme gucken die? Essen die nie Cobbler? Und werden dann nie erfahren wollen, was der Unterschied ist zwischen Crumble und Cobbler? (Ja, das sind rhetorische Fragen.)
Also meine lieben Freunde: Der Cobbler und der Crumble, das lernen wir schon im Film, sind keine Pies. Pies sind Kuchen mit Boden. Crumble, Cobbler oder auch Buckles, Grunts, Crisps und Bettys sind Obstaufläufe mit obendrauf einer Schicht Teig. Streusel beispielsweise. Der Unterschied zwischen einem Crumble und einem Cobbler ist der: dass im Cobbler Hafermehl ist, nicht Weizenmehl. Der Cobbler heißt so, weil die Streusel ein bisschen wie Pflastersteine aussehen. Aber unterm Pflaster liegt kein Schmand. (Witz für Alte.)
Einen habe ich auch gebacken, ich geb’s zu. Mit Äpfeln und Rhabarber. Hier paar Rezepte. Kinder mögen Kuchen ohne Boden; und meine am liebsten auch noch ohne Obst. Es ist fast wie Backen ohne Mehl. Das ist ein uralter Witz bei dem genialen Theatermacher Christoph Marthaler. Den zu erklären, wäre an dieser Stelle aber viel zu komplex.
Während ich über all das sinniere, wird der “Gott des Gemetzels” von dem französischen Film “Ziemlich beste Freunde” seines Spitzenplatzes verwiesen. Nicht, wie ich gedacht hätte, von den “Ides of March”. Das freut mich. Nicht weil man den Polanski-Film nicht empfehlen könnte, oder ich wie jede Frau (und viele Männer) George Clooney viel schöner finde als John C. Reilly (Hallo Christoph Waltz, hab ich dir eins ausgewischt!). Sondern weil mir der Cobbler zum Hals raus hängt, Jodie.
So, und nächstes Mal werde ich mich mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens befassen. Nicht mit verlogenen, selbstverliebten, sturen Biedermeiern. Man könnte sich beispielsweise, wie alle anderen seriösen Menschen, mit der Nummer Eins von unserem Staate beschäftigen. Mal sehen, wer das dann ist.
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13 Uhr 46
Wenn die tumben Hauptstädter sich die Mühe machten, in die literarische Vorlage zu sehen, könnten Sie stattdessen lieber Clafoutis essen. Soweit zur medial verblödenden Gesellschaft…
21 Uhr 51
ich bitte um vergebung, aber das ist der dööfste blog, den ich je las – vielleicht muss ich aber auch einfach mehr lesen.
mit freundlichen grüßen
22 Uhr 55
Also…so schön die Autorin hier ja auch den Bogen vom Film-Cobbler zum (Berliner) Crumble zu spannen versucht – ich nehm´s ihr nicht ab. Hier bäckt doch niemand nicht mit Hafermehl. Never! (Und ich mag Crumble. lecker.)
00 Uhr 59
Solch verschwurbelten Gedankenbrei kriegt man doch kaum mit Obst hin. Wohl Stechapfel-Cobbler gemampft? “Dinge heraus zu finden, wichtige und abseitige. Leider ist für die wichtigen, komplexen oft nicht genug Zeit und Geld da” ??? Wie meinen? Und dann: Berlin, Berlin,Film, Obst, Obst, Berlin, Mutter, Berlin, Kotzen, Obst. Dazwischen: Aha. Fragestellung: Identifiziert sich Berlin besonders mit den Protagonisten? Ja eigentlich ja wohl doch eher den Charakteren, als den Schauspielern, nicht? Nicht? Denn nicht die Schauspieler stehen für das projezierte Verhalten, das Miteinander. Die Story. Und den Obstmantsch. Dann: Einen habe ich gebacken. Nach einigeN RezepteN? Aha. Ohne Boden. Bodenlos. WIe die — Glosse? Der geniale Marthaler ohne Mehl – Oh, bitte. Ein Journalist sollte vielleicht die Kernaussage…oder ein Funken Ahnung vom anzitierten Kontext…doch knapp umreissen können? Zu komplex? Für den Schreiber? Neeein.Für den unwerten Leser. Sicher. Für den. Bodenlos. Selbstgefälliges Geplapper. Dann Zielgerade – Die Krönung: Gott des Gemetzels” von (…) “Ziemlich beste Freunde” seines Spitzenplatzes verwiesen. Nicht, wie ich gedacht hätte, von den “Ides of March”. Das freut mich(…) weil mir der Cobbler zum Hals raus hängt, Jodie.” Zitat Ende. Also heisst: In den Iden des Märzens Jodie wieder Cobbler fressen tut? Ach, klar, wegen im Märzen der Bauer. Ein Schwall Zumutung, eine verlorene, selbstverliebte, sture Logorrhoe. Am End der Supertwist. Zum Präsidenzfall. Chapeau. Nee, Chappi.
03 Uhr 19
Ich kenne auch niemand der bei uns Cobbler mit Hafermehl backt. Aber vielleicht ist es auch nur falsch uebersetzt. “Oatmeal” ist kein Hafermehl sondern Haferflocken.
Und die schmecken wiederum prima in den Streuseln!
07 Uhr 48
Natürlich: stimmt – danke! Auch beim Hafer gilt: Backen ohne Mehl. Also mit Haferflocken.
15 Uhr 27
So ein Käse. (kuchen)
05 Uhr 59
[...] Marthaler. Den zu erklären, wäre an dieser Stelle aber viel zu komplex. … Read more on sz-magazin.de [...]
20 Uhr 34
Der Film und ihr Blog haben mich gut unterhalten.
Jedoch teile ich nicht Ihre Einschätzung der Schauspielkunst von Christoph Waltz und Jodie Foster. Die Besetzung von John C. Reilly ist so unerwartet wie genial.
22 Uhr 26
Welch ein angestrengtes Geschwurbel. Recherchefreie Zone, durch wenig originelles Herum-Assoziieren kaschiert. Erlebnis-Schrott der übelsten Art.
23 Uhr 24
Ich sah sowohl das Bühnenstück (1-Zimmer-Stück, a la Strindberg, was auf den europäischen Bühnen sehr beliebt ist, weil man nicht das Bühnenbild ständig wecheln muss) als auch die Bollywood-Version. Jodie Forster ist ebenso unbeschreiblich wie der Österreicher, dessen Namen ich vergessen habe. Beide spielen nicht schlecht und blödeln viel herum im Stück!
Alles in allem ein Stück für einen Abend! Mehr auch nicht!
21 Uhr 29
Liebe Autorin,
Sie behaupten “Nur in Berlin backen die Leute seit acht Wochen Cobbler. Und nennen ihn Crumble.” Falsch, denn der Fehler liegt in ihrem Verständnis der Dinge. Wenn sie von Streuseln sprechen handelt es sich tatsächlich um ein Crumble. Ein Crumble hat im Gegensatz zu einem Cobbler eine streuselige, knusprige Oberfläsche, nicht zuletzt durch die ursprüngleiche Verwendung von Oatmealals teil der Streusel. Mehl, Butter, Zucker Toppen den Crumble. Ein Cobbler – Begriff abgeleitet von Kopfsteinpflaster – wird mit einem Teig oder einer Piemasse übergossen und ist somit viel weicher in der Struktur. Ich hoffe sie finden sich nun besser in Ihrem Berliner Freundeskreis zurecht.
Beste Güße aus England – dem Land der Crumbles und Cobblers!
Anja
23 Uhr 31
Uups. Ich ging doch tatsächlich davon aus, die Autorin sei keine Muttersprachlerin. Vordergründig ob des Schreibstils und sprachlicher “Holperer”. Schloss daraus also, dass sie aus einem Land der Streusel und Pflastersteine käme. Aber: dem ist gar nicht so.
Hm.
Warum darf sie denn bei Euch so einen sprachlich, gedanklich und (wie die Kuchenkennerkommentare ja nahelegen) auch noch inhaltlich dahingekrümelten Schmand-Schmarren schreiben, “meine lieben Freunde” der SZ-Magazin-Redaktion?
Grüße aus Berlin-Wilmersdorf, wo keiner Crumbler cobbelt, LG
07 Uhr 39
Ach ja, es is kaum auszuhalten… Auf whitewhine.com gibts mehr Leute mit Ihren Problemen, Frau Bleuel.
15 Uhr 48
Ich freue mich ja sehr, wenn jemand über kulinarische Themen schreibt
und zudem kulinarische Missverständnisse klären will. Filmkritiken lese ich ebenfalls gern, auch subjektive Anmerkungen zu einem Film sind in Ordnung.
Aber wie andere vor mir schon angemerkt haben:
Das ganze Getippe hier ist doch arg verschwurbelt.
Vielleicht ist ein roter Faden nicht immer von Nöten… aber auf Witze zu verweisen, die man nicht erklären kann, ist schon leicht grenzwertig.
Kommt ein bißchen wie: “Ich kenne hochkomplexe Sachen – tja, schade auch, dass Ihr das jetzt nicht kennt. Pech gehabt.”